Musikzug: Erfolgreiche Veränderung

11.09.2012 - Konzert beim verkaufsoffenen Sonntag

Lange blieben bei Veranstaltungen die Leute weg. Mit neuem Konzept und neuem Dirigenten begann dann jedoch der Aufstieg.

Das erste Konzert des Das erste Konzert des "neuen" Musikzugs in der Konzertmuschel im Alten Kurpark lockte vor allem älteres Publikum. Foto: Hans NietnerWas Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Über diesen Spruch können die Mitglieder vom Musikzug inzwischen nur lachen. Vor sieben Jahren nämlich haben sie vom althergebrachten Spielmannszug mit seinen Trommeln und Flöten auf Blasinstrumente umgesattelt. Mit Erfolg. Nach langen Übungsjahren und einigen kleinen Auftritten waren sie am Sonntag erstmalig mit einem zweistündigen Konzert im Kurpark zu hören.
Das kurzweilige Potpourri an Melodien kam bei den meist älteren Zuhörern gut an. Die Gruppe sei vor dem großen Wechsel immer kleiner geworden, erzählt Dieter Kark, der seit 1960 im Verein ist und seit 1988 die musikalische Abteilung in der Turngemeinde leitet, zu der der Musikzug gehört. "Wir wussten gar nicht genau, warum die Leute wegblieben", sagt er. Zum Schluss seien sie nur noch zu acht gewesen. Tragende Instrumente hatten gefehlt.Schwieriger Umstieg
So habe man den Umstieg gewagt und sich kurz nach dem 50-jährigen Bestehen von "Spielmannzug" in "Musikzug" umbenannt. "Das Erlernen der Blasinstrumente war allerdings nicht so einfach, wie wir es uns vorgestellt hatten", sagt der 63-Jährige ganz offen. "Zum Glück hatten wir aber alle Notenkenntnisse." Mit dem an der Frankfurter Musikhochschule ausgebildeten Posaunisten Carlo Eisenmann habe man zudem einen guten Lehrer und Dirigenten gefunden. Er selbst habe von Querflöte auf Posaune gewechselt. Auch das sei anfangs schwierig gewesen. Der Aufwand habe sich aber gelohnt: Die Zahl der Mitglieder sei wieder gestiegen. "Es sind auch Leute dazugestoßen, die bereits ein Blasinstrument spielten."
Einer von ihnen ist der Trompeter Philipp Petry, mit erstaunlichen 82 Jahren der älteste Musiker im Kreis. Auch die Zuhörer vor der Konzert-Muschel klatschen, als Kark, der die Konzerte unterhaltsam moderiert, das fortgeschrittene Alter erwähnt. Der jüngste Spieler sei mit 14 Jahren Schlagzeuger Louis Vogt. Auch er bekommt Applaus.
Günstiger Unterricht
"Leider fehlt uns der jüngere Nachwuchs", so Kark. Dabei bekomme, wer Interesse habe, sogar ein Leihinstrument zur Verfügung gestellt und werde gemeinsam mit den anderen Musikern unterrichtet. Zu zahlen sei lediglich der Vereinsbeitrag. Eigentlich eine kostengünstige Alternative auch für die, die sich den oft teuren Privatunterricht nicht leisten können. "Aber was wenig kostet, ist auch nichts wert, denken viele", vermutet Kark. Anders könne er sich nicht erklären, dass keine Nachfrage bestehe.
Wer mitspielt, kommt jedenfalls gut in Europa herum. Im Mai waren die Musiker in Bad Sodens tschechischer Partnerstadt Franzensbad bei einem Brunnenweihfest zu Gast, am kommenden Wochenende fahren sie nach Rueil-Malmaison, der französischen Partnerstadt westlich von Paris. "Dort sollen wir in Nassauer-Kostümen auftreten." Viel Motivation also für die Bläser, noch mehr an den Feinheiten zu feilen.
Das Repertoire ist abwechslungsreich, davon konnten sich die Zuhörer in den voll besetzten Reihen am Sonntag überzeugen. Es reichte von Märschen und Polkas bis zum Musical My Fair Lady und der Titelmelodie von "Musik ist Trumpf". Zwischendurch gaben die Musiker auch ein Medley mit Les-Humphries-Songs zum Besten.
Die Übungsstunden des Musikzugs sind freitags von 19 bis 22 Uhr im Vereinsheim, An der Trinkhalle 12.
Von Juliane Schneider
Artikel Höchster Kreisblatt vom 10. September 2012