Nochmal Senioren-EM in Aarhus – Anne Reuschenbach

29.10.2017 - Anne Reuschenbach ist die vielseitigste Athletin der LG BSN. Bei den Senioren-EM holte sie eine Bronzemedaille im Gewichtwurf, zwei 4. Plätze im Kugelstoß und Diskuswurf und je einen 6. und 7. Platz im Gewicht-5-Kampf und im Hammerwurf.

Anne Reuschenbach beim Diskuswurf in Aarhus

Anne Reuschenbach ist die vielseitigste Athletin der LG BSN. Das ist keine neue Erkenntnis, verdient aber immer mal wieder festgehalten zu werden. Anne startet in der Seniorenklasse W 35, nimmt aber auch regelmäßig an Wettkämpfen der Frauenklasse teil. Hier hält sie auch die Kreisrekorde im Stabhochsprung und im Hammerwurf. Die meisten Wettkämpfe bestreitet sie in den Wurfdisziplinen – Kugel, Hammer, Speer, Diskus. Dazu kommen im Seniorenbereich noch die Disziplinen Gewichtwurf (9,08kg) und Wurf-Fünfkampf (alle vorstehend genannten Einzeldisziplinen werden an einem Tag gesondert als MK durchgeführt). Darüber hinaus startet sie auch häufiger im Weitsprung, 100m und vor allem über die Hürden (100m bzw. 60m in der Halle).

Trotz dieser Fülle kann es auch mal zu viel werden, vor allem wenn es um höhere Ehren geht, wie z.B. bei den 20. Europameisterschaften der Senioren, die vom 27.7. bis 6.8. im dänischen Aarhus stattfanden. Da gilt es dann, sich auf einige Wettbewerbe zu konzentrieren und die Beschränkungen des Zeitplans zu berücksichtigen.
Anne startete in Aarhus nun im Wurf-Mehrkampf, im Kugelstoß sowie im Hammer- und Diskuswurf. Im Nachhinein bedauerte sie etwas, nicht auch über die Hürden und im Speerwurf an den Start gegangen zu sein.

Insgesamt kann Anne mit ihrer Ausbeute bei starker Konkurrenz zufrieden sein – eine Bronzemedaille im Gewichtwurf, zwei 4. Plätze im Kugelstoß und Diskuswurf, und je ein 6. und 7. Platz im Gewicht-Fünfkampf sowie im Hammerwurf. Wie so oft bei wechselnden Witterungsverhältnissen (insbesondere glatten Wurfringen) ist es dann ein Lotteriespiel, bei welchen konkreten Bedingungen man seine Versuche durchführt. Und da war Anne nicht immer vom Glück begünstigt, denn das Wetter schlug in Aarhus reichlich Kapriolen.

Im Gewichtwurf hatte sie jedoch Glück mit dem Wetter und erzielte mit 10,52 Saisonbestleistung, was dann auch gleich eine Bronzemedaille wert war. Im Kugelstoß stellte sie ihre SB von 10,50 ein - mit der Weite und Platz 4 war sie aber trotz irregulärer Bedingungen (strömender Regen), wie sie selbst sagte, „total zufrieden“. Und auch die Bedingungen im Hammerwurf waren „nur furchtbar“ (Wind, strömender Regen). Ein vergurkter Wurf, dann 5 (!) ungültige Versuche – technisch ging gar nichts. Mit 28,87 blieb am Ende nur Platz 7. Auch im Diskuswurf lief nicht alles nach Wunsch (mehrere ungültige Versuche), aber mit der Weite (35,22 – SB: 36,30) und dem 4. Platz war sie sehr zufrieden. Ihr Wurfmehrkampf litt unter dem schwachen Beginn mit einem missglückten Hammerwurf. Kugel-, Gewichtwurf- und Diskusleistungen waren „ok“. Im Speerwurf dann bedeuteten ihre 37,02m die drittbeste Weite ihrer Seniorenkariere und von daher auch das Bedauern, nicht auch den Speer in der Einzelwertung geworfen zu haben. In der Addition standen dann am Ende 2822 Punkte (SB) zu Buche, was in der Rangliste Platz 6 bedeutete.

Für den statistisch Interessierten wird ein Blick in die Ergebnislisten ja oft dadurch zusätzlich aufschlussreich, dass man dann Vergleiche anstellen kann. Wir erinnern uns an die Hallen-WM im März 2017 in Daegu in Südkorea. Wie inzwischen allgemein üblich, fanden dabei auch in einigen technischen Disziplinen die sog. Winterwurf-Meisterschaften statt. Und da entdeckt man im Kugelstoß der Frauen, dass die Tschechin Zanet Krejci Vaclavkova Kugelstoß-Winterwurf-Weltmeisterin der W 35 wurde und zwar mit einer Weite von 10,85 vor Anne Reuschenbach mit 10,37. In Aarhus musste die siegreiche Spanierin Carballo de la Cruz 11,33 stoßen, um Europameisterin zu werden. Anne wurde 4. mit 10,50, die Weltmeisterin Krejci landete mit auf Platz 5.

Und damit sind wir bei einer Besonderheit des Seniorensports. Es ist oft sehr schwer, die Ergebnisse richtig einzuordnen. Zum einen stehen insbesondere in den jüngeren Wettkampfklassen und da wiederum vor allem in den Wurfdisziplinen und auf den langen Laufstrecken viele AthletInnen noch auf relativ hohem Niveau mitten im „normalen“ Wettkampfgeschehen. So wurde die Französin Melina Robert-Michon, nominell W 35, jetzt in London bei den WM Bronzemedaillengewinnerin im Diskuswurf mit 66,21 – rund 20m weiter als die Siegesweite bei den Senioren-EM im Diskuswurf der W 35 – 44,37. Man könnte noch mehr derartige Beispiel aufführen. Eike Onnen, M 35, startete im Hochsprung nicht in Aarhus, sondern bei den WM in London. Aber diese Beispiele zeigen, dass es im Grunde zwei Welten sind – der Hochleistungssport einerseits und das eher im Normalmaß operierende Wettkampfgeschehen der Senioren. Erst im richtig hohen Alter nivelliert sich das Ganze.

Dazu kommt eine weitere Besonderheit. Es gibt bei Senioren-EM und Senioren-EM keine Qualifikationsnormen, anders als bei Deutschen Meisterschaften. Es kann jeder teilnehmen, sofern er/sie bereit ist, die Meldegebühren von z.B. 50€ für den ersten Wettbewerb und jeweils 25€ für weitere Disziplinen sowie die Fahrt- und Übernachtungskosten zu tragen. Und schon sind Titelkämpfe auf fremden Erdteilen für viel nur schwer zu stemmen. Es gibt auch keine Beschränkungen auf eine bestimmte Teilnehmerzahl pro Nation (so waren z.B. über 800 deutsche AthletInnen in Aarhus am Start). So kommen zwar oft Resultate zustande, die qualitativ schlechter sind als bei Deutschen Meisterschaften. Andererseits wäre bei der Masse der Altersklassen und der Wettbewerbe und dem damit verbundenen ungeheuren Aufwand die Finanzierung derartiger Meisterschaften nicht möglich. Denn die Organisation erfolgt im Rahmen gesonderter Kontinental- bzw. Weltverbände. Die IAAF hat keine „Aktien darin“.